• Des großen (bösen) Helden Kinderstube

    Heute ist unser letzter Ausflugstag, morgen fahren wir nur noch zurück nach Taschkent, von wo es am Sonntag Morgen zurück in die kalte Heimat geht. Apropos, hier haben die Temperaturen auch deutlich nachgelassen, tagsüber nur noch um die 24 Grad, ab Nachmittags kommt Wind auf, der die Luft sofort abkühlt und ab 5 Uhr Abends, wenn die Sonne verschwindet ist das sitzen in der Roof Top Bar auch kein Spaß mehr. Also sitzen wir abends im Restaurant im Keller, aber auch hier ist der Service top!

    Aber zurück zu heute, wir fahren nach Shahrisabz, dem Geburtsort des großen usbekischen Helden Amir Timur Tamerlan.

    Raus aus Samerkand ist noch eher unspektakulär, aber nach etwa 45 Minuten erreichen wir die Bergkette, die man von Samarkand aus immer nur im Nebel sieht.

    Erster Stop ist ein eigenartig geformter Stein. Hier wurde 1973 ein DEFA (die staatliche DDR Filmgesellschaft) Film gedreht, mit dem hauptamtlichen Staatsindianer Gojko Mitic. Sowohl Kamila als auch Anastasia haben uns davon freudestrahlend berichtet, jeder hier kennt die Story anscheinend. Ich kenn zwar den jugoslawischen Indianer aus meiner Kindheit, aber den Film nicht… man ist allgemein entsetzt.

    Die Fahrt geht nun deutlich ins Gebirge. Es handelt sich hier um die Serafschan Berge, die aber irgendwie auch Teil des Hissar Gebirges sind.

    Zunächst wirkt alles staubig, sandig, steinig, aber nach etlichen Kilometern sind plötzlich erstaunlich viele Sträucher und Bäume zu sehen.

    Aber bald schon wird‘s dann wieder felsig und rauh. Wir erreichen in einer Höhe von 1600 Metern den Kitab Pass, über den auch schon Alexander der Große galoppiert ist. Kurz danach stoppen wir wieder kurz, um das atemberaubende Panorama aufzunehmen.

    Die Fahrt dauert danach noch etwa 45 Minuten, dann erreichen wir die Altstadt von Shahrisabz. Dort werden wir wieder erwartet, die Dame dürfte das Pensionsalter auch schon erreicht haben. Wir stellen uns kurz vor, sie kürzt ihren Namen sofort zu „Shaki“ ab. Machen wir es kurz, es war ein netter Spaziergang mit ihr.

    Nichts gegen die grüne Stadt (so lautet die Übersetzung von „Shahrisabz“). Auch nicht gegen Shaki oder den usbekischen Feldherrn, aber wir haben die Geschichten schon mehrere Male gehört und eigentlich sind hier nur Ruinen bzw. Rekonstruktionen derselben zu sehen.

    Wir spazieren so noch ein wenig und genießen die Sonne. Wenn wir heimkommen, ist ja wohl schon grauer Herbst.
    Wir halten noch für einen Snack zum späten Lunch, dann genießen wir wieder das Panorama aus den Autofenstern.

    Und mit ein bisschen Abendessen und einem oder zwei 🍻 ist der Tag auch schon wieder rum.

  • Lokale Helden und lokale Bräuche

    Heute bekommen wir noch mal die volle Ladung Geschichtsunterricht und Heldenverehrung. Wir fahren am Morgen zum Observatorium des Ulugh Beg. Der Mann war ja, wie bereits geschrieben, nicht nur der Herrscher des Timuridenreiches (das sich von Delhi bis Bagdad erstreckte), sondern auch ein ernstzunehmender Wissenschaftler. Nicht nur seine Arbeit an der von ihm erbauten Madrasa ist erwähnenswert. Er ließ auch eine Sternwarte errichten, an der er mit den wenigen Hilfsmitteln des frühen 15. Jahrhunderts erstaunlich genaue Daten dokumentierte. Das und die Tatsache, dass er mit einigen Reformen Wissen für weite Teile der Bevölkerung ermöglichte, erstmals auch für Frauen, und die Tatsache, dass er nur wenige Kriege führte (für einen Herrscher seiner Zeit), machte ihn beim Volk sehr beliebt. Weniger allerdings beim Klerus, die Imame von Samarkand gingen schließlich so weit, ihn im Verbund mit seinem Sohn zu ermorden. Er herrschte stolze 40 Jahre über sein Reich.
    Einer seiner wissenschaftlichen Mitstreiter schaffte es einem Großteil seiner Werke nach Istanbul zu schaffen und somit der Welt zu erhalten. Einige spätere Astronomen beriefen sich auf die Werke Ulugh Begs.

    Danach fahren wir zum Grabmal des heiligen Daniel, ein Zauberer, der in drei Religionen verehrt wird, dem Islam, von den Juden und den Christen. Ebendieser Daniel wurde von einem bösen Bub in eine Grube mit hungrigen Löwen geworfen, aber die Löwen haben ihn verschont. Entweder waren sie doch nicht so hungrig oder er roch besonders streng. Begraben ist er eigentlich in Susa, im Iran. Amir Timur versuchte die Stadt mehrfach zu erobern, was aber misslang. Darauf begab er sich als Pilger zum Grab des Daniel, wo er ihm einen Arm klaute und der ist jetzt in Samarkand aufgebahrt. Sehr ausladend übrigens für nur einen Arm.

    Es gibt noch einen 600 Jahre alten Pistazienbaum und eine heilige Quelle, die alle irgendwie wie Wunder wirken. So eine Pilgerreise muss sich ja schliesslich lohnen.

    Im Anschluss fahren wir in ein Handwerkerdorf, in dem traditionelles Handwerk präsentiert wird, die Werkstätten und die Handwerker sind echt, die Familien leben auch tatsächlich da, aber es ist ausschließlich für die Touristen gemacht. Highlight ist eine Papiermanufaktur. Hier wird die manuelle Papierherstellung vom Holz bis zum fertig handgeschöpften Papier demonstriert.

    Wir gehen dann zum Mittagessen, Kamila verabschiedet sich, der geht’s heute nicht gut. Gemeinsam mit Anastasia gehen wir dann noch über den Siyob Bazar, dem größten Markt Samarkands. Hier gibt es wirklich alles, von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Haushaltswaren, wie Töpfen und Schüsseln. Er ist riesig, wenn er auch nicht an die Märkte in Vietnam rankommt. Dafür ist er auch nicht ganz so chaotisch. Wir verbummeln fast zwei Stunden dort und kaufen ein paar Süßigkeiten, nicht ohne vorher ausgiebig zu probieren.

    Dann ist auch unsere gemeinsame Zeit mit Anastasia vorbei. Sie bringt uns noch zum Hotel, dort verabschieden wir uns von ihr.

    Morgen haben wir noch mal einen Ausflug vor, es geht nach Shahrisabz, dem Geburtsort Amir Timurs. Unsere Geschichtslektion ist also noch nicht vorbei, allerdings hoffen wir auch auf ein paar schöne Ausblicke. Wir werden in die Nähe des Gissar- oder Hissar-Gebirges kommen.

  • Samarkand

    Da sind wir also nun in der berühmten Wüstenstadt, die einst DER Dreh- und Angelpunkt des Handels zwischen dem fernen Osten und den Handelsmetropolen am Mittelmeer bzw. Russland war. Außer uns wollen die Stadt noch jede Menge andere Touristen sehen, hier ist deutlich mehr los, als in Buchara oder Chiwa, obwohl immer noch kein Vergleich mit den europäischen Urlauberzentren.

    Wir treffen uns also mit Kamila und Anastasia, sie begleitet uns heute und morgen. Sie ist deutlich jünger, als unsere letzten beiden Begleiterinnen, weiß aber auch eine ganze Menge und lässt sich auch ihre eigene Meinung entlocken.

    Unser Programm hier ist natürlich geprägt von Amir Timur, der Herrscher, der die Dynastie der Timuriden begründete wurde in der Nähe von Samarkand geboren, hatte hier die Hauptstadt seines nicht kleinen Reiches und wurde hier begraben. Mit seinem Mausoleum beginnt auch unsere Tour.

    Dort geraten wir in eine Blase Italiener, was automatisch jegliche Kommunikation zur Herausforderung macht.

    Danach geht es weiter zum Registan, wo‘s gestern Abend die Lightshow gab.

    Dort steht ein Ensemble aus drei Madrasas oder Medressen, wie sie hier sagen. Die linke im Bild ist die älteste und wurde erbaut von Ulugh Beg, einem Enkel Amir Timurs. Von diesem Ulugh Beg, hören wir heute auch noch ne ganze Menge. Der wird hier hochverehrt. Er war nicht nur Herrscher in Samarkand, sondern auch Wissenschaftler. Er studierte Mathematik, Astronomie und natürlich islamisches Recht. Er lehrte auch selbst, an der von ihm gebauten Medrese, sehr ungewöhnlich für einen Herrscher seiner Zeit. Er reformierte das Universitätswesen in Samarkand und ermöglichte so viel mehr jungen Männern ein Studium.

    Die anderen beiden Medressen haben weitere Nachfolger gebaut, ich hab nicht alle Namen und Daten behalten. Anastasia hat das grad so runtergerattert, als würde sie das ablesen. Hat sie aber nicht, auch ihr konnte man Fragen zu nahezu allen Themen stellen, die sie meist sehr ausführlich beantworten konnte.

    In der letzten Medrese gibt es dann wieder einige Handwerker zu bestaunen, unter anderem einen Teppichknüpfer und einen Instrumentenbauer, der seine Instrumente auch bedienen konnte.

    Wir besuchen weitere historische Stätten, so die Bibi Chonim Moschee, die einstmals die größte und prächtigste Moschee der Welt werden sollte (hat nicht geklappt).

    Sowie das Shakhi Zimba Ensemble, die Straße der Gräber. Eine Nekropole, also eine muslimische Pilgerstätte mit jeder Menge Mausoleen der Verwandten und Mitstreiter Amir Timurs sowie eines Cousins des Propheten Mohammed.

    Danach sind wir echt müde und verabschieden uns von Anastasia, die uns noch zu Hotel bringt. Morgen geht’s weiter.

  • Die Karawane zieht weiter…

    Wir haben heute Vormittag frei, der Zug nach Samarkand geht erst am Nachmittag. Wir laufen noch mal durch die Stadt, eigentlich wollten wir noch irgendwas mitnehmen aus Buchara, können uns aber letztlich für nichts entscheiden. Eigentlich haben wir schon genug eingekauft.

    So sitzen wir noch eine Stunde am zentralen Labi Hovuz Platz und trinken Tee (oder sowas ähnliches), bis wir dann zum Hotel zurück gehen.

    Dort werden wir abgeholt und zum Bahnhof in einem etwa 12km entfernten Ort gebracht. Buchara hat bis heute keine Bahnanbindung.

    Der Zug ist eine Art ICE, der uns in einer Stunde und 40 Minuten ins 270km entfernte Samarkand bringt.

    Die Landschaft gibt nicht soviel her unterwegs, deshalb ruhen wir ein wenig bis Samarkand.

    Wir werden wie immer abgeholt, die Fahrt zum Hotel dauert fast 25 Minuten. Es ist Rush Hour und was auch sofort auffällt, Samarkand wirkt im Vergleich zu Buchara und vor allem Chiwa viel mehr wie eine Großstadt. In jeder Hinsicht, es gibt höhere Häuser, mehr Verkehr und zum ersten Mal sehen wir auch vermüllte Ecken.

    Auch die Gasse, in der uns der Fahrer aussteigen lässt, wirkt nicht gerade einladend, aber nachdem wir ins Hotel eingetaucht sind, ist die Welt schon wieder in Ordnung.

    Die Burg hat ein Restaurant mit Freisitz im Innenhof und Roof Top Bar, hier kann man‘s schon aushalten.

    Kamila holt uns gleich noch zum Essen ab.

    Wir haben drei Tage volles Programm hier noch mal, wir sind gespannt. Samarkand war für mich die bekannteste der Städte, die wir besuchen, mal sehen, ob meine Erwartungen erfüllt werden.

    Nach dem Essen gab‘s noch ein Art Lightshow am zentralen Registan (der größte und bekannteste Platz in der historischen Altstadt).

  • Buchara Teil II

    Wir setzen unseren Stadtrundgang mit Bella und Kamila am nächsten Tag fort. Heute sind wir ein bisschen außerhalb, in den Dörfern rund um Buchara unterwegs.

    Zuerst fahren wir zum Sommerpalast des Emirs von Buchara.

    Die Räume in den Gebäuden sind relativ klein und die Franzosengruppen unheimlich groß, was zeitweise zu viel Traffic führt. Zumal Bella es für eine gute Idee hält, den Rundgang entgegen der Richtung zu machen. 😝

    Wir fahren danach durch mehrere kleinere Dörfer und Bella weist uns auf die Rohrleitungen hin, die zu jedem Haus führen. Jedes Haus hat mittlerweile einen Gasanschluss. Darüber kommen wir auf die Bodenschätze Usbekistans zu sprechen. Usbekistan ist reich an Vorkommen aller Art, von Gas über Öl und Uran bis hin zu Metallen aller Art.

    Erdgas ist dabei der Exportschlager Nummer zwei (auch nach Deutschland), nach Gold. Im Winter kommt es dadurch aber schon mal zu Engpässen bei der Versorgung der Dörfer, da dem Export ganz klar Priorität eingeräumt wird. Das führt dazu, dass die Leute die Dörfer so lange verlassen und zu Verwandten in die Städte ziehen, sofern welche da sind. Ansonsten müssen sie sich dort ein Zimmer mieten. In Usbekistan werden die Winter kalt, hier in der Wüste rund um Buchara sind minus 10 Grad normal, es kann auch deutlich kälter werden. Und es fällt auch Schnee im Winter

    Wir kommen dann zum Chor Bakr Memorial Komplex, einer Nekropole, also einem Friedhof, der sich zu einer Pilgerstätte für Muslime aus aller Welt entwickelt hat.

    Hier ist so gut wie nix los, entweder sind die Franzosen noch nicht angekommen oder sie mögen keine Friedhöfe. Danach fahren wir zum Mausoleum der Samaniden, der ersten Dynastie einheimischer Herrscher. Benannt wurde die Dynastie nach dem ersten in ihrer Reihe Ismoil Samoniy, irgendwann im 9. Jahrhundert. Mittelpunkt des Samananidenreiches war Chorezm (hier oft auch als Chorasan bezeichnet), es existierte aber wohl nur etwa 200 Jahre.

    Dann ist unsere Reise mit Bella beendet. Auch heute hat‘s wieder länger gedauert, als geplant. Weil wir immer soviel Fragen stellen, auch abseits des vorgegebenen Programms. Nein, ich glaube, dass es ihr auch Spaß gemacht hat, sie ist Reiseführerin mit Leib und Seele. Ich hab sie gefragt, sie hatte Lehramt studiert, aber nur ein Jahr als Lehrerin gearbeitet. Der Job der Reiseführerin lag ihr mehr, sagte sie. Also dürfte sie den Job schon 40 oder noch mehr Jahre machen.

    Einen Programmpunkt haben wir noch: Wir haben uns bei Kamila beschwert, dass uns jeder von Plov, dem usbekischen Nationalgericht erzählt, aber wir haben noch keinen bekommen.

    Also beauftragen wir den Fahrer, uns zur besten Plov Küche der Stadt zu fahren. Was gleichzeitig mit sich bringt, dass wir das erste Mal nicht in ein Touri Restaurant geschleppt werden, sondern dort essen gehen, wo die Einheimischen essen gehen.

    Uns schmeckt das Gericht prima, sogar Kamila hat, entgegen ihrer normalen Gewohnheit ganz gut zugelangt.

    Danach ist ein wenig Siesta und nach dem Abendessen gehen wir noch ein wenig auf Fotosafari.

  • Im Herzen von Buchara

    Buchara

    In Buchara ist, anders als in den Städten bisher, der Tourismus ganz klar Hauptwirtschaftszweig. Allerdings sind es nicht hauptsächlich europäische Touries, sondern viel mehr aus arabischen und asiatischen Ländern. Europäer sind hauptsächlich große französisch sprechende Gruppen.

    Wir werden in unserer orientalischen Baracke abgeholt von Kamila und Bella. Eine Einheimische, sicherlich schon im Pensionsalter, die hervorragend verständliches Deutsch spricht, wenn auch mit einem drolligen russischen Akzent. Wir fahren zuerst ein paar Meter, sie beginnt bereits im Auto zu erzählen. Ich will hier nicht die einzelnen Stationen der Stadttour durchgehen, das mach ich später auf der Website.

    Auch hier wieder, fantastisch, von einer Einheimischen, mit tiefem Wissen und toller Bereitschaft zur Kommunikation begleitet zu werden. Klar haben wir das vorbereitete Programm abgearbeitet, aber Bella ist immer sofort darauf eingegangen, wenn wir irgendwo abgebogen sind, sei‘s um ein Geschäft, eine Werkstatt oder sonst was anzuschauen. Sie geht sofort darauf ein, kennt auch unzählige der Händler oder Handwerker. Oder quatscht sie zumindest sofort breit, uns irgendwas zu zeigen oder zu erzählen.

    Apropos jemanden irgendwas fragen: Die sowjetischen „Republiken“ wurden vom Meister mit dem dicken Schnurbart ziemlich willkürlich (in den 1930ern) eingeteilt. Daraus resultierend wurden jede Menge Tadschiken plötzlich Usbeken. (Und umgekehrt genauso.) Ergebnis daraus: Noch heute reden die Leute hier in Buchara untereinander tadschikisch, das wiederum dem persischen entspringt. Mit allen anderen kann man dann usbekisch (was eine Turk-Sprache ist, also dem Türkischen nahe steht) oder Russisch sprechen, das kann hier jeder.

    Überhaupt hat hier alles einen (mehr) orientalischen Touch, als in den bisherigen Städten. Man begrüßt sich hier (wenn man nicht russisch spricht) mit „Salam aleikum“.

    Bella erzählt uns auch, dass die hohe Anzahl der Touristen aus dem arabischen Raum eine „Mode“ unter den jungen Musliminnen auslöst, Kopftuch und  traditionelle muslimische Kleidung zu tragen. Entsprechend verschiebt sich Familien- und Weltbild bei vielen aktuell ziemlich stark. Aktuell ist Usbekistan eine Republik, ob demokratisch, sei dahingestellt, aber alle Religionen sind streng vom Staat getrennt. Aber ich glaube, und Bella bestätigt mir diese Befürchtung, dass Usbekistan auf dem Weg in einen islamischen Staat ist. Wie lang das dauern wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Weg dahin scheint aber bereitet.

    Am Abendessen gibt es heute auf einer Dachterrasse, der Ausblick ist wirklich schön. Wieder werden wir umringt von einer Riesengruppe Franzosen ( oder Französisch sprechend), die haben sich gleich mal Musik und Tanz zum Essen bestellt.

  • Nach Buchara

    Wir werden um 10:00 Uhr, nach dem Frühstück von Kamila und einem Fahrer abgeholt. Wir machen uns auf den Weg nach Buchara, das sind etwa 430km.

    Zunächst raus aus der Kleinstadt Chiwa, durch die fruchtbare Ebene des Amu Darja. Die komplette Landwirtschaft, auch die Baumwollernte ist in vollem Gange, alles Handarbeit, keine Maschinen.

    Das alles funktioniert nur, wie schon erwähnt, nur wegen der unzähligen Bewässerungskanäle.

    Nach etwas mehr als 1,5 Stunden entlang von Dörfern und ein paar Kleinstädten, über eine wirklich holprige Straße (die auch mal einfach zu Ende ist)…

    …erreichen wir den Fluss Amu Darja und damit die Grenze von Chorezm. Elena hatte gestern bereits mehrfach davon gesprochen, dass Chiwa die Hauptstadt von Chorezm wäre. Ich hab mittels Google Suche nur ein paar historische Daten zu Chorezm oder Choresmien gefunden und es als Namen der hiesigen Provinz abgetan. Aber hier an der Brücke über den Amu Darja stehen beiderseits richtig grimmig dreinschauende Uniformierte, mit ziemlich eindrucksvollen Flinten in der Hand (darf man natürlich nicht fotografieren). Die Brücke ist nur einspurig befahrbar, aber wir haben Glück. Der Stau ist auf der anderen Seite. Außerdem führen Gleise über die Brücke, das heißt dann wohl, wenn ein Zug kommt, steht der Autoverkehr auf beiden Seiten.

    Kaum drüber über‘n Fluss, der zu dieser Jahreszeit nicht mehr viel Wasser führt, beginnt die Wüste. Noch ein, zwei Kilometer Hoppelstrecke, dann treffen wir auf einem Highway, jetzt wird‘s besser mit der Fahrerei.

    Wenig später halten wir an einem Aussichtspunkt und können nun wirklich sehen, wie wenig Wasser der Fluss jetzt im Spätsommer führt.

    Die Fahrt dauert weitere 4 Stunden, einmal machen wir Pause an einem Restaurant, an dem alle Touristen hingeschleppt werden, es ist ziemlich voll. Vor allem, als man eine ganze Busladung Franzosen rund um uns platziert. Eine Herde Gänse macht ähnliche Geräusche.

    Witzige Episode am Rande: etwa alle 30 Minuten, an einer kleinen Polizeistation wird unser Fahrer von der Straße gewunken. Er bleibt nur kurz stehen, streckt sich ein, zwei mal und fährt dann weiter. Das soll verhindern, das die Fahrzeuglenker auf der eintönigen Strecke einschlafen. Die Straße ist tatsächlich schnürlgerade und links und rechts ist nichts, außer Sand und ein paar Büschen.

    Wir kommen „planmäßig“ in Buchara an und fahren erst mal zum Hotel. Also die bisherigen Hotels waren ja auch nicht direkt Baracken, aber das hier haut uns dann schon erst mal aus den Socken.

    Das ist nicht die Hotellobby, das ist unser „Living Room“.

    Schlafsaal

    Nur das Bad ist bissi popelig. 😜

    Wir sind gerade dabei, uns ein bisschen Mut anzutrinken, um die Bude nachher angemessen zu verwüsten. Traut man sich nüchtern ja gar nicht.

  • Chiwa inside

    Wir können heute etwas länger schlafen, Kamila kommt erst um 10:00 Uhr. Sie hat Elena dabei, eine pensionierte Deutschlehrerin aus Urgench, die uns heute durch die Altstadt von Chiwa (oder Xiva) begleitet.

    Ich mach’s kurz, es war klasse. Die Sightseeingtour ist ja das eine, aber die Geschichte (Historie) zu den und vor allem die Geschichten rund um die Bauwerke von einer Einheimischen zu hören ist halt ganz was anderes, als irgendwie selber mit dem Reiseführer in der Hand da durch zu stolpern . Mittendrin mussten wir auch so ein typisches Fladenbrot selber zusammen basteln, aber es ist niemand röchelnd unter den Tisch gefallen, als wir es gegessen haben.

    Auf jeden Fall ein deutlich gelungenerer und entspannterer Tag, als so mancher davor.

    Wir reden mit Elena über viele Themen abseits unserer Stadtführung. Vieles spricht sie von sich aus an, so kommen wir auch auf die Wasserversorgung zu sprechen. Elena betont, dass die intensive Wasserentnahme für die usbekische Landwirtschaft und damit Selbstversorgung zwingend notwendig ist. Sie erkennt aber sehr wohl die Probleme, die damit einhergehen. Es sind ja nicht nur die Usbeken, die den Flüssen Wasser entziehen, beide Flüsse durchqueren mehrere Länder auf ihrem Weg zum Aralsee. Größte Sorge der Usbeken ist ein im Bau befindlicher Kanal in Afghanistan, mit dem eine Wüstenregion in Pakistan bewässert werden soll, wenn der Amu Darja dadurch erheblich an Wasser verliert, könnte das für diese Gegend hier verheerende Folgen haben.

    Sie weiß aber auch zu erzählen, dass sich die Fläche des Aralsee im Laufe der Jahrtausende schon immer gravierend verändert hat. Nur dass die momentane Verkleinerung bis hin zur Austrocknung nicht natürlich ist, weiß sie, dieses Problem ist menschengemacht, wie‘s im Neusprech so schön heißt. Nur hat es nichts mit dem Klimagewandel zu tun, oder wenn, dann nur als minimale Randerscheinung.

    Grad ist ein wenig Siesta, heute Abend gehen wir noch mit Kamila zum Essen. Morgen geht’s schon weiter nach Buchara, eine der Oasen an der Seidenstraße.

    Abends gibt’s dann noch ein Bierchen für alle.

  • Nach Norden

    Wir stehen pünktlich 4:45 Uhr vor unserem Hotel, Zamir kommt wenige Minuten später und auch der Fahrer taucht gleich auf. Es geht zum Flughafen, auf der Straße ist noch gar nichts los, also sind wir sehr zeitig beim Check in.

    Alles läuft reibungslos und wir heben auf die Minute genau ab. Vom Flugzeug aus sehen wir den wahren Charakter des Landes, eigentlich eine riesige Wüste. Mit wenigen Oasen, die heute die Großstädte darstellen und viel fruchtbarem Land entlang der beiden Flüsse Syr Darja und Amu Darja.

    Nukus ist die Hauptstadt der autonomen Republik Karakalpak . Es gehört zwar politisch zu Usbekistan, sie haben aber ein eigenes Parlament und einen privaten Oberhäuptling. Sie sprechen einen Akzent, der dem Kasachischen näher ist, als der usbekischen Sprache. Ich kann das zwar nicht raushören, aber ich kann googeln. Im Gegensatz zu unserem inzwischen fast lautlosen Reiseleiter.

    In Nukus, unserem Ziel, werden wir wie immer abgeholt. Die Logistik ist perfekt organisiert. 

    Wir fahren zum Karakalpak State Museum of Art, einer Kunstsammlung von Igor Savitsky. Die Geschichte zu dem Seppl gibt’s später, wer neugierig ist, googelt bitte selber. Nur soviel: er hat die Kunst russischer Maler gesammelt (und damit aufbewahrt), die den Sowjets nicht genehm war. Die aktuelle Ausstellung heißt „Usbekistan: Avant-Garde in the Desert“ und wird uns präsentiert von einem jungen Mädel in perfektem Englisch. Mein Geschmack sind viele der Bilder nicht, aber interessant ist es auf jeden Fall. Wir lernen eine ganze Menge, nicht nur über die Künstler, auch über die Geschichte Usbekistans in Sowjetzeiten.

    Nach einem kurzen, guten Imbiss verlassen wir Nukus. Zunächst fahren wir wieder auf einem Highway, durch die Wüste, es wirkt zeitweise ein wenig wie in Mad Max.

    Später biegt der Fahrer vom Highway ab auf eine kleinere Straße, wobei die Bezeichnung „Straße“ nur in begrenztem Umfang richtig ist. Es ist hier viel grüner, wir überqueren einen Arm des Amu Darja und sehen, wie effektiv die Uzbeken hier bewässern. Überall verlaufen kleine Kanäle, es wachsen überall Bäume, vornehmlich Pappeln und auf den ausgedehnten Feldern wächst Weizen, Mais und die allgegenwärtige Baumwolle. Mit Ausnahme letzterer könnte das auch daheim sein.

    Dort schauen höchstens die Häuser etwas solider aus und die Straßen sind etwas besser. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt, obwohl der Fahrer sich bemüht , das Tempo niedrig zu halten.

    In Urgench, etwa 30km vor unserem Ziel Chiwa, hält der Fahrer an einer Baustelle. Zamir erklärt uns, er würde uns hier verlassen. Wieder so eine Nummer von ihm, bisher hatte er immer gesagt, er würde uns bis zum Hotel in Chiwa begleiten. Ich sag nichts mehr dazu…

    Wenige Minuten später kommt Kamila, unsere neue Begleiterin, ein sehr junges Mädel. Sie steigt zu uns ins Auto und wir fahren zum Hotel.

    Unser Hotel befindet sich direkt neben der historischen Altstadt von Chiwa, zwar nur mehr eine Tourimeile heutzutage, aber trotzdem sehenswert.

    Abends gehen wir noch mit Kamila essen und stellen einander ein wenig vor. Wir sind auch erst ihre zweite Reisegruppe, die sie begleitet, sie hat immerhin schon mal eine bis zum Ende hinbekommen. Und sie weiß deutlich mehr über das Reiseprogramm, als Zamir. Sie hat es wohl gelesen. Wir sind gespannt auf morgen, wir genießen noch ein Bierchen in der Altstadt und fallen dann ziemlich müde ins Bett.

  • … und mit dem Zug zurück nach Taschkent

    Beim heute nicht ganz so tollen Frühstück überlegen wir, wie wir mit Zamir weiter machen sollen. Wir müssen leider feststellen, dass er oft sehr unvorbereitet ist und auch nicht wirklich viel weiß über unsere Reise. Gestern konnte er zum Beispiel im Palace des Khudayar Khan keinen Guide auftreiben und wusste halt selber gar nix. Außerdem hätten wir gestern auch eine berühmte Keramikwerkstatt besuchen sollen, die wollte er glatt unterschlagen. Als wir ihn darauf ansprechen, fährt er (oder der Fahrer) zu einem Handwerkszentrum in Margilan, wo aber keiner mehr da ist, es ist auch schon 6 Uhr.

    Wir nehmen ihn beim Abendessen ins Gebet und vereinbaren Punkt für Punkt, wie es morgen voran geht.

    Wir treffen uns, wie vereinbart, um 9:00 Uhr und unsere Vereinbarung hält ganze 10 Minuten. Der Fahrer setzt uns beim Denkmal irgendeines lokalen Helden ab, Mathematiker, Astronom und Imam in Personalunion. Mehr weiß Zamir nicht über den. Er will uns in ein Museum über den Menschen schleppen , dass sich aber eher als Ausstellung über das Ferganatal entpuppt. Ein junges Mädel führt uns rundum und erzählt uns ein bisschen was auf Englisch. Bevor wir rauskommen werden wir von einer Blase einheimischer Mädels vereinnahmt. Angeblich nur für ein Foto, natürlich wird daraus eine Musik- und Tanzeinlage.

    Nachdem wir dem Damenkränzchen entronnen sind, rede ich mit Zamir mal ein paar ernste Worte. Von diesem Programmpunkt war gestern Abend keine Rede. Er sagt zu mir, er wusste auch nichts davon, der Fahrer hätte uns einfach hierher gefahren, das bringt mich nun echt auf die Palme. Seit wann bitte bestimmt der Fahrer das Programm?

    Ich schlucke meinen Grant nochmal runter und wir fahren nun, wie verabredet zu einer Seidenmanufaktur. Sie wird als Familienbetrieb betrieben und öffnet ihre Tore, um Touris wie uns die Herstellung des kostbaren Stoffes näher zu bringen . Und zwar von der Raupe bzw. dem Kokon:

    wie der Seidenfaden verwoben wird:

    Und die unterschiedlichen Färbetchniken, Batik und Ikat. Bei der Batiktechnik wird das fertig gewobene Tuch gefärbt, bei der Ikattechnik wird der einzelne Seidenfaden vor dem Weben gefärbt. In beiden Fällen werden die Muster mittels aufwändiger Abbinde- bzw. Abklebetechniken erzeugt:

    Und natürlich, wie aus dem Faden ein Tuch entsteht.

    Nachdem wir uns das ausgiebig haben erklären lassen, Muhammad, einer der Burschen in der Werkstatt spricht fast akzentfrei Englisch, wollen uns unsere beiden Helden zu der Keramikwerkstatt fahren, die wir gestern ausgelassen haben. Wir haben etwas über 4 Stunden Zeit, allerdings sind wir fast 1,5 Stunden unterwegs bis dahin, wir müssen fast bis Kokand zurück. Deswegen wäre dieser Punkt ja eigentlich auch gestern dran gewesen, da sind wir dran vorbei gefahren. Endlich dort angekommen, weise ich Zamir darauf hin, dass es jetzt ja wohl nichts mehr wird, mit dem Essen, bevor wir zum Zug müssen. Auf seine Antwort, er hätte nicht gewusst, wie weit es ist, platzt mir der Kragen. Es ist seine f…ing Aufgabe, das zu wissen.

    Den Rundgang macht der Inhaber / Geschäftsführer mit uns, auch mit Erklärungen in sehr gut verständlichem Englisch. Er erzählt uns, das er auch mehrere deutsche Firmen beliefert.

    Die Qualität und Vielfalt seiner Ware ist wirklich beeindruckend. Vieles wird auch noch mit traditionellem Werkzeug hergestellt, ohne Strom und fließend Wasser. Und vor allem aus ausschließlich lokalen Rohstoffen. Der Ton liegt hier quasi einen halben Meter unter der Grasnarbe wird uns erklärt.

    Zamir kommt gar nicht mit, es interessiert ihn wohl nicht. Dabei hätte er gerade hier die Möglichkeit sein Nicht-Wissen ein bisschen aufzuhübschen. Ich mache mich innerlich mit dem Gedanken vertraut ihm anschließend mitzuteilen, dass wir mit der Reiseagentur über ihn reden werden. So geht’s nicht weiter.

    Wieder zurück im Auto, nimmt er uns diese Entscheidung ab. Er teilt uns mit, dass er uns nur noch bis morgen begleiten wird, er hat einen Krankheitsfall in der Familie. Zufälle gibt’s…

    Er fängt wieder damit an, dass er noch mit uns zum Essen will, aber ich diskutiere nicht mehr mit ihm. Ab zum Bahnhof nach Margilon. Wir sind zwar letztlich fast eine Stunde vor Abfahrt da, aber wer weiß, wo er uns wieder hingeschleppt hätte.

    Am Bahnhof gibt es einen Snack und bald darauf fährt schon der Zug ein

    Wir haben Business Class Plätze, sehr bequem, aber leider wieder hinter stark getönten Scheiben. Trotzdem sehen wir zunächst noch die fruchtbare Ebene des Fergana Valley.

    Bis wir schließlich in die schroffe Felsen- und Schotterwelt des Tian Shan Gebirges eintauchen

    Irgendwann wird es dann dunkel, wir haben aber noch fast drei Stunden bis Taschkent.

    Nachdem wir am Bahnhof angekommen sind, fährt uns ein anderer Fahrer zum Hotel. Wir checken ein, Zamir wollte noch mit uns zum Essen gehen, das ist uns aber zu spät. Wir essen eine Kleinigkeit an der Bar und empfangen eine Nachricht von der Reiseagentur, das uns ab morgen Abend eine Dame begleiten wird.

    Was lässt sich rückblickend über unsere kleine Überlandfahrt sagen? Die Landschaft hat in großen Teilen den erwarteten „Wüstencharakter“, auch wenn es, wie schon geschrieben, erstaunlich viel landwirtschaftliche Flächen gibt. Die kleineren Orte haben schon einen asiatischen Touch, größter Unterschied zu Indonesien und vor allem Vietnam: es liegt kaum Müll an den Straßen. Dort sind die Straßenränder ja durchgehende Müllhalden. Auch die Häuser scheinen etwas solider und sauberer, vom allgegenwärtigen Staub mal abgesehen, der ist hier obligatorisch.

    Morgen früh werden wir bereits um 4:45 Uhr abgeholt, auch so ne Nummer, die wir Zamir sehr eindringlich erklären mussten. 7:15 Uhr geht der Flieger in Richtung Nukus.

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